| Der Zeichner
Walter Malli gilt
als einer der eigenwilligsten Musiker der Wiener Jazz Avantgarde. Seit
den 60er Jahren hat er auch ein umfangreiches zeichnerisches Werk geschaffen,
das weitgehend unbekannt geblieben ist und nun erstmals in einer Retrospektive
präsentiert wird. Die Schau zeigt abstrakte Aquarelle, Tuschfederzeichnungen,
Städtebilder und Karikaturen.
Während die abstrakten
Figurationen auf die Dynamik des Gestischen und die Ausdruckskraft der
Farbe setzen, bestechen Mallis Zeichnungen und Radierungen von Städten
und Wiener Motiven durch die Bewegung der Komposition und die Reduktion
auf den Schwarz-Weiß-Kontrast. Seine Ansichten architektonischer Motive
versetzen mit ihrer gesteigerten und dynamisierten Perspektive das Motiv
in Schwingung und Bewegung.
Der Musiker
Als Musiker ist Walter
Malli in Österreich eine wohlbekannte Erscheinung. War er doch 1958 Mitbegründer
der legendären Masters of Unorthodox Jazz, des ersten österreichischen
Free Jazz Ensembles. Zeitgleich unternahm man auch in den USA erste Free
Jazz Experimente. In der Folge spielte Malli mit bedeutenden Musikern
des internationalen Jazzgeschehens und wirkte bei Schallplatteneinspielungen
und internationalen Tourneen mit.
Kürzlich erschien seine letzte CD-Produktion Geh’ langsam durch die
alten Gass’n, auf der er mit hochkarätigen Jazzern Wienerlieder improvisiert.
In den 90er Jahren wurde der Dokumentarfilm von Peter Zach Malli -
Artist in Residence uraufgeführt. Für dieses Projekt improvisierten
Walter Malli, Eugene Chadbourne und Peter Kowald Wiener Musik aus der
Perspektive des Freejazz.
Im Rahmen der Ausstellung
wird im Juni eine Friday Concert Line veranstaltet. Walter Malli wird
teils selbst mitwirken, teils wurden international bekannte Musiker engagiert,
zu denen Walter Malli eine langjährige musikalische und persönliche Beziehung
hat. Das Konzertprogramm finden Sie auf der Rückseite.
Der Künstler
Walter Malli, geboren
1940 in Graz, besuchte die Grazer Kunstgewerbeschule und studierte ab
1956 bei Prof. C. Unger an der Akademie für Angewandte Kunst und bei A.
P. Gütersloh an der Akademie der Bildenden Künste. Ende der 50er Jahre
setzte er sich mit informeller Malerei auseinander, beschäftigte sich
mit orientalischen Kulturen und kehrte 1960 zu gegenständlich orientierten
Federzeichnungen zurück. Seither entstehen in erster Linie Stadtlandschaften
und phantasievolle Karikaturen.
Bis Ende der 70er
Jahre erfreut sich Malli regelmäßiger Ausstellungstätigkeit in Österreich
und Deutschland. Seit den 80er Jahren ist er in erster Linie als Musiker
tätig und greift zu frei improvisierter Musik immer wieder spontan zum
Zeichenstift. Kaiserlicher Arbeitsplatz Von der Kunst allein kann ein
Künstler nicht immer leben. Daher arbeitet Walter Malli seit 1986 als
Hausaufsicht im Schloß Schönbrunn und wurde auch dort zu einem Wiener
Original. Inzwischen kennt er die imperiale Anlage nicht nur von ihrer
Kaiserseite. Kein finsterer Gang und keine noch so geheime Stiege im Schloß
sind ihm unbekannt. Sein Arbeitgeber - die Schloß Schönbrunn Kultur- und
Betriebs-Ges.m.H. - widmet ihm diese Ausstellung und würdigt nun in einer
umfassenden Schau das Gesamtwerk Mallis. Seine Radierungen, Zeichnungen,
Karikaturen und seine Musik werden erstmals in einer zusammenfassenden
Präsentation einem großen Publikum vorgestellt.
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